Saju, westliche Astrologie und vedische Astrologie — warum sich die drei Systeme unterscheiden
Auch beim selben Geburtsdatum geben Saju, westliche Astrologie und vedische Astrologie unterschiedliche Antworten. Es ist nicht so, dass eines richtig und die anderen falsch wären — sie betrachten von Anfang an verschiedene Dinge. Dieser Artikel erklärt, woher dieser ‘Unterschied’ kommt, in einer Form, der auch Leserinnen und Leser ohne Vorwissen folgen können.
Warum gibt es drei Systeme?
Es mag scheinen, dass ein einzelnes Horoskop genügt, doch die Welt kennt tatsächlich viele Wege, Menschen über Sterne und Zeit zu lesen. Ostasien hat das Saju, Europa hat die westliche Astrologie (im Volksmund ‘Tierkreis’ genannt), und Indien hat die vedische Astrologie.
Das Spannende ist, dass diese drei Traditionen nahezu vollständig unabhängig voneinander gewachsen sind und alle drei bis heute fortbestehen. Wäre eine eindeutig genauer gewesen, hätten die anderen beiden längst aufgegeben.
Der Grund, warum sie es nicht haben, ist einfach. Die drei Systeme betrachten dieselbe Person aus unterschiedlichen Blickwinkeln. So wie kein einzelnes Foto alles über einen Menschen sagen kann, lässt das, was man aus nur einer Perspektive sieht, immer etwas aus. Dieser Artikel beleuchtet drei zentrale Unterschiede — genau dort, wo sich die drei Systeme trennen.
Unterschied 1 — ein anderer ‘Kalender’ zur Zeiteinteilung
Bildlich gesprochen verwenden die drei Systeme unterschiedliche Kalender. Schon bei der Frage ‘wann beginnt das Jahr?’ sind sie sich uneinig.
Saju setzt den Jahresbeginn auf ‘Ipchun’, den Frühlingsanfang im ostasiatischen Solarkalender (um den 4. Februar). Wer also nach dem gregorianischen Kalender im Januar geboren wurde, aber vor Ipchun, wird im Saju dem Vorjahr zugeordnet. Das überrascht Erstkontakt-Leserinnen und -Leser des Saju oft.
Die westliche Astrologie setzt den Jahresbeginn auf die Frühlings-Tagundnachtgleiche (um den 21. März), den Moment, in dem Tag und Nacht gleich lang sind. Die Position der Sonne in diesem Augenblick wird als ‘0° Widder’ festgelegt, und die zwölf Tierkreiszeichen werden von dort aus gemessen.
Die vedische Astrologie verwendet dieselben zwölf Zeichen, aber mit einem anderen Bezugspunkt. Statt eines saisonalen Ankers wie der Tagundnachtgleiche nutzt sie die tatsächlichen Positionen der Sternbilder, wie sie am Himmel zu sehen sind.
Hier passiert etwas Entscheidendes. Die Erdrotationsachse taumelt sehr langsam, sodass sich der Frühlingspunkt jedes Jahr ein wenig gegenüber den Sternbildern zurückverschiebt. Nach etwa 2.000 Jahren sind die beiden Bezugspunkte um fast ein ganzes Zeichen auseinandergedriftet. Deshalb stellt sich oft heraus, dass jemand im westlichen System Löwe ist, im vedischen aber Krebs. Keines der beiden ist falsch — sie sind nur von unterschiedlichen Bezugspunkten ausgegangen.
Unterschied 2 — eine andere ‘Sprache’ zur Beschreibung der Person
Der zweite Unterschied liegt darin, ‘mit welchen Einheiten die Systeme einen Menschen aufschlüsseln’. Die drei Systeme sprechen buchstäblich verschiedene Sprachen.
Saju drückt eine Person in ‘acht Zeichen’ aus. Jeder der vier Zeitmarker — Jahr, Monat, Tag und Stunde der Geburt — bekommt zwei Zeichen, also insgesamt acht. Diese acht Zeichen werden in ganz Ostasien als ‘BaZi (八字, die acht Zeichen)’ bezeichnet. Die acht Zeichen werden anschließend in fünf Energien — Holz, Feuer, Erde, Metall, Wasser — übersetzt, und das Gleichgewicht zwischen diesen fünfen prägt Temperament, Beziehungen und passende Tätigkeitsfelder einer Person.
Die westliche Astrologie sieht eine Person als ‘Karte planetarer Positionen’. Im Moment der Geburt stehen Planeten wie Sonne, Mond, Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn jeweils irgendwo in den zwölf Zeichen. Nur ein einziges Zeichen (das Sonnenzeichen) anzuschauen, ist das, was Horoskopkolumnen in Zeitungen tun; echte Astrologie liest alle zehn Planeten, ihre Positionen und die Winkel zwischen ihnen.
Die vedische Astrologie verfolgt ebenfalls planetare Positionen, unterteilt jedoch den gesamten Tierkreis in 27 feinere Segmente, die ‘Nakshatras’ heißen (jedes umfasst rund 13°20'). Selbst innerhalb des Widders kann es daher die Lesart deutlich verändern, in welchem Nakshatra man geboren wurde.
Unterschied 3 — eine andere ‘Uhr’ zum Lesen der Zukunft
Der dritte Unterschied liegt darin, ‘wie jedes System die kommenden Phasen liest’. Die drei Systeme verwenden verschiedene Uhren, um in die Zukunft zu schauen.
Saju nutzt eine Uhr namens ‘Dae-un (大運, große Zyklen)’. Es geht davon aus, dass sich die Grundstimmung eines Lebens in 10-Jahres-Blöcken verschiebt, und liest, welche Art von Energie in der jeweiligen Dekade hereinkommt.
Die vedische Tradition nutzt eine Uhr namens ‘Dasha’. Neun Planeten regieren ein Leben in fester Reihenfolge, doch jeder Planet regiert für eine andere Zeitspanne. Manche 6 Jahre, andere 10, andere 18 — bewusst ungleichmäßig.
Die westliche Astrologie nutzt ‘Transite’ und ‘Returns’. Transite zeigen, an welchen Punkten Ihres Geburtshoroskops gerade die Planeten am Himmel vorbeiziehen; Returns markieren den Moment, in dem ein Planet wieder seine Geburtsposition erreicht. Wenn Sie vom ‘Saturn Return’ gehört haben — gemeint ist der Zeitraum um das 29.–30. Lebensjahr, in dem Saturn an seine Geburtsposition zurückkehrt; oft wird er als der Moment beschrieben, in dem man ‘wirklich erwachsen wird’.
Bei derselben Person Anfang dreißig kann sich der Saju-Dae-un verschieben, der vedische Dasha auf einen neuen Planeten wechseln und der westliche Saturn Return eintreffen — alles auf einmal. Wenn alle drei Uhren gleichzeitig auf ‘große Veränderung’ zeigen, ist diese Phase sehr wahrscheinlich ein echter Wendepunkt.
Wie liest man die drei zusammen?
Eines sei klar: Die drei Systeme ‘übersetzen’ sich nicht ineinander. Eine Phase, die das Saju als günstig liest, fällt in der westlichen Astrologie nicht automatisch ebenfalls günstig aus. Sie sind wie drei Fotografien desselben Lebens aus unterschiedlichen Blickwinkeln.
Wenn man alle drei zugleich liest, geschehen zwei interessante Dinge.
Erstens: Sagt ein System ‘diese Phase ist gut’, die anderen beiden aber ‘Vorsicht’, haben Sie einen Anlass innezuhalten, bevor Sie nur einer Antwort folgen.
Zweitens: Zeigen alle drei in dieselbe Richtung — etwa wenn ein Dae-un-Wechsel mit einem Dasha-Wechsel und einem markanten westlichen Transit zusammenfällt — ist diese Phase kein Zufall, sondern ein deutliches Signal, dass eine echte Verschiebung im Gange ist.
CODIX wurde gebaut, damit Sie nicht jedes System für sich lesen, sondern alle drei für das Horoskop derselben Person berechnen lassen. Es geht nicht darum, dass ein System das letzte Wort hätte — sondern darum zu sehen, wo sich die drei treffen und wo sie auseinandergehen.
Dieser Inhalt ist eine allgemeine Einführung in die Traditionen der Astrologie und des Saju für Einsteigerinnen und Einsteiger; er ist keine Grundlage für medizinische, rechtliche oder finanzielle Entscheidungen.